Feb 25, 2021

Was sind denn das für sonderbare Scheren?

Unsere vielfältige Sammlung an Lichtputzscheren, auch Dochtscheren genannt.

Um das unangenehme Rußen der Kerzen zu vermeiden, aber auch zum Brandschutz, mussten die Kerzen-Dochte regelmäßig gekürzt werden.           Kerzen waren bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus tierischem Fett gefertigt. Je länger der Docht wurde desto stärker rußten und tropften sie. Selbst als Kerzen später aus anderen Materialien, wie Paraffin, hergestellt werden konnten, änderte sich das kaum. Mit der Lichtputzschere wurde der Docht der Kerze von Zeit zu Zeit gekürzt. Manche Scheren hatten auf der Oberseite der Scherenflügel einen kleinen offenen Behälter, zum Aufnehmen des abgeschnittenen Dochtendes.

Konstante Arbeit erforderte das Lichtputzen in großen Räumen, in denen manchmal Hunderte von Kerzen brannten. An Fürstenhöfen gab es dafür spezialisierte Diener, auch in Theatern und in Kirchen, wo zahlreiche Kerzen gepflegt werden mussten, war das Lichtputzen eine typische Tätigkeit.

Die heute verwendeten Dochte sind meistens so gewebt, dass sich das Ende des Dochts in die Flamme hinein kräuselt und verbrennt, wenn es zu lang ist und zu wenig Wachs liefert. Schon lange dienen Kerzen uns nicht mehr als einzige Lichtquelle, sondern als romantische Stimmungsmacher. Lichtputzscheren werden nicht mehr benötigt. Mit der Verbreitung der Petroleumlampen und später des elektrischen Lichts kamen neben Kerzenleuchtern auch die Lichtputzscheren in die Museen.

Waren die Lichtputzscheren nicht in Gebrauch wurden, sie auf Lichtputzscheren-Tellern abgelegt (siehe oben) um zu vermeiden, dass der anhaftende Ruß Oberflächen verschmutzte.

 

Über Adina Eckart

Adina Eckart ist wissenschaftliche Volontärin im Städtischen Museum Göttingen.