Tätigkeitsbericht 2018

Vorbemerkung

Die Sanierung der Remise steht weiterhin still. Die Inventarisierung und Dokumentation des Sammlungsbestandes wurde wie in den Vorjahren mit Nachdruck betrieben. Im Außendepot wurden die Arbeiten zur dauerhaften Lagerung der Objekte und zur Wahrung der konservatorischen Standards fortgesetzt. Im Berichtsjahr fand im Landesmuseum Hannover eine Stickstoffbehandlung statt. Die bisherige Ausstellung zur Kirchenkunst wurde in die Sonderausstellung „1529. Aufruhr und Umbruch“ integriert. Seit 2017 veranstaltet das Museum im Veranstaltungssaal eine lockere Reihe von Kammerkonzerten mit dem restaurierten Ritmüller-Klavier.

Besucher

Die Sonderausstellung „1520. Aufruhr und Umbruch“ wurde von 5446 Personen besucht.

Kooperationspartner

  • Mit folgenden Partnern arbeitete das Museum im Berichtszeitraum zusammen:
  • Association Barbara Perlimpinpin
  • Braunschweigisches Landesmuseum
  • Deutsch-Französische-Gesellschaft Göttingen
  • Deutsches Theater in Göttingen
  • Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Hildesheim
  • Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Kulturanthropologie/Europäische
  • Ethnologie
  • Georg-August-Universität Göttingen, Kunstgeschichtliches Seminar
  • Georg-August-Universität Göttingen, Lehrstuhl „Materialität des Wissens“
  • Göttinger Schulen
  • Landesmuseum Hannover
  • Landschaftsverband Südniedersachsen
  • Kirchengemeinde St. Albani
  • Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen
  • Netzwerk Provenienzforschung Niedersachsen
  • Netzwerk Reformation in Niedersachsen
  • Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Sauer Marketing – Agentur für Strategisches Marketing und Werbung
  • Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • Stadtarchäologie Göttingen
  • Stadtarchiv Göttingen
  • Weberei Rosenwinkel e.V.
  • YLAB – geisteswissenschaftliches Schülerlabor der Georg-August-Universität
  • Göttingen

Sonderausstellungen/  

Dauerausstellung

09.04.-11.02.2018: „1529. Aufruhr und Umbruch“.
Die Ausstellung widmete sich der Einführung der Reformation in Göttingen vor 500 Jahren. Wegen der thematischen Nähe wurde die Dauerausstellung zur Kirchenkunst in die Reformationsausstellung integriert. Das bot die Chance, die Kirchenkunstobjekte in ein neues Licht zu rücken und unter anderen Aspekten zu präsentieren. Zugleich konnte das thematische Spektrum der Sonderausstellung erweitert werden. Die Ausstellung fand mit dem abwechslungsreichen Begleitprogramm eine erfreulich positive Aufnahme in der Öffentlichkeit. Es wurden zahlreiche Führungen angefragt und durchgeführt. Auch in den regionalen und überregionalen Medien fand das Thema der Ausstellung große Beachtung. Das gleiche galt und gilt immer noch für den zur Ausstellung erschienenen Begleitband. Im Zuge der Vorbereitung der Ausstellung wurde der Kassentresen im Foyer dauerhaft umgestaltet und eine neue Kasse installiert.
Begleitend zur Sonderausstellung „1529. Aufruhr und Umbruch“ wurde vom 9. September bis 19. Oktober im Erdgeschoss der Alten Posthalterei als Leihgabe der Evangelischen Kirche in Deutschland die Wanderausstellung „Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten“ gezeigt.
Im Berichtsjahr begannen die vorbereitenden Arbeiten für die permanente Präsentation „Stadt. Macht. Glaube. Göttingen im 16. Jahrhundert“. Im Frühjahr begannen die Vorbereitungen für die nächste Sonderausstellung „Klappe auf!“ zum 50. Jubiläum der 68er-Bewegung in Göttingen in Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Im Berichtsjahr begannen auch die Vorbereitungen für die Sonderausstellung zur Novemberrevolution 1918.

Veranstaltungen

Zusätzlich zu den Veranstaltungen im Begleitprogramm der Sonderausstellung „1529. Aufruhr und Umbruch“ fanden im Museum folgende Veranstaltungen statt:

  • 05.03.2017: Lesung und Buchvorstellung mit Dr. Helga-Maria Kühn: „Katharina und Erich I., 1496-1524. Eine Fürstenehe auf Augenhöhe.“
  • 08.04.2017: Vortrag Dr. Ernst Böhme: „Reformation in Göttingen“ vor dem Kreisverband LandFrauen Göttingen-Adelebsen im Hotel Clarion.
  • 26.04.2017: „Historische Durchblicke. Ein Abend zur Geschichte der Reformation in Göttingen“ mit Dr. Ernst Böhme und Dr. Martinus Luther (gesprochen von Christoph Huber), Moderation: Wilfried Bergau-Braune, Altes Rathaus.
  • 21.05.2017: Internationaler Museumstag zum Thema „Spurensuche. Mut zur Verantwortung“ und zur aktuellen Sonderausstellung „1529. Aufruhr und Umbruch“.
  • 10.06.2017: „It don’t mean a thing if it ain’t got that swing“ – Jazzkonzert mit Groove Instinct feat. Hanna Carlson zur Nacht der Kultur.
  • 20.07.2017: „Ene mene muh und raus bist du!“ – Alte, fast vergessener Spiele, Ferienpassaktion des Landschaftsverbands Südniedersachsen e. V.
  • 12.08.2017: „Brahms und Ritmüller“. Konzert anlässlich der Vorstellung des ca. 1850 gebauten Ritmüller-Tafelklaviers nach der Restaurierung durch die Firma Pearl River Piano Group, Guangzhou, China.
  • 15.08.2017: Vortrag Pastor Stephan Eimterbäumer auf Einladung des Marketing-Clubs Göttingen e. V.
  • 20.08.2017: Runder Tisch der Abraham-Religionen: „Bei Abraham zu Gast“.
  • 09.09.-25.09.2017: „Wie wenn einmal die Sonne nicht wiederkäme“. Open-air-Theater zu Georg Christoph Lichtenberg mit Götz Lautenbach und Bernd van Werven.
  • 10.09.2017: Tag des offenen Denkmals „Vom Adelshof zum Städtischen Museum – herzogliche Macht und städtische Ohnmacht in Göttingen“ Führung mit Dr. Gaby Kuper.
  • 09.-15.11.2017: „Lichtenbergs Lachen“. Theaterperformance speziell für Schulen mit Götz Lautenbach und Bernd van Werven.
  • 18.11.2017: „Schubert und Schulze“. Liederabend mit dem Ritmüller-Klavier im 200. Todesjahr des Dichters Ernst Schulze (1789-1817) mit Liedern von Franz Schubert auf Gedichte von Schulze und biografischen Erläuterungen.

Kooperation

– mit dem Deutschen Theater in Göttingen

Am 14. Januar 2017 fand am Deutsche Theater die Uraufführung des Stücks „Die Nutznießer – `Arisierung` in Göttingen“ statt. Das von der Autorin Gesine Schmidt in enger Kooperation mit dem Städtischen Museum und dem Stadtarchiv Göttingen erarbeitete Stück beschreibt in beklemmender Weise die Verfolgung, Enteignung und Ermordung der Göttinger Juden u. a. am Beispiel der Familie Hahn. Im Anschluss an die Aufführung am 26. Juni diskutierten Diana Kanter, Enkelin von Max Raphael und Gertrud Hahn, und  Museumsleiter Dr. Ernst Böhme mit den Zuschauern.

– mit der Universität Göttingen

Prof. Margarete Vöhringer, Lehrstuhl „Materialität des Wissens“, führte drei Sitzungen ihrer Lehrveranstaltungen im Museum durch. Dabei wurden die Studierenden an Sammlungsobjekten des Museums geschult. Im 4. Dezember nahm Herr Dr. Böhme an der Sitzung des Externen Beirats der Zentralen Kustodie der Georg-August-Universität teil.

Museumspädagogik

In Kooperation mit der Albani-Schule beteiligte sich das Museum an dem vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege angeregten museumspädagogischen Projekt „Denkmal an Schule“. Durchgeführt wurde die Veranstaltung von Bettinas Lattke, Kirchenpädagogin im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen.
In Kooperation mit der IGS Weende und der Universität Göttingen (B-Lab -lebenswissenschaftliches Schülerlabor, Zoologisches Museum, Ethnologische Sammlung und YLAB – geisteswissenschaftliches Schülerlabor) wurde an mehreren Terminen die Schüleraktion „Ohne Wasser läuft nichts“ durchgeführt.

Ausstellungen anderer Institutionen

Für die Ausstellung „Hoffmann und die Brüder Grimm. Freundschaft in bewegten Zeiten“ (01.08.2017-13.02.2018) des Hoffmann-von-Fallersleben Museum in Wolfsburg stellte das Museum ein Objekt zur Verfügung.

An der Ausstellung „DingeDenkenLichtenberg“ (01.07.-03.10.2017) der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen beteiligte sich das Museum mit drei Objekten. In der Niedersächsischen Landesausstellung zum Reformationsjubiläum „Im Aufbruch. Reformation 1517-1617“ (07.05.-19.11.2017) im Braunschweigischen Landesmuseum war das Museum mit acht herausragenden Objekten vertreten, darunter eine Abendmahlspatene und vier Tafelgemälde aus dem 17. Jahrhundert.

Wissenschaftliche Vorträge, Tagungen

Am 12./13. Juni nahm Kuratorin Andrea Rechenberg M. A. an einer Tagung zum Thema „Kooperationen in der Kulturbranche“ in der Kunsthalle Bremen teil. Kuratorin Andrea Rechenberg M. A. besuchte eine Veranstaltung der VW-Stiftung zum Thema „Kunst auf Lager“ am 11./12. Sept. in Hannover. Am 27. Sept. nahm Kuratorin Andrea Rechenberg M. A. an der Vorstandssitzung und der Mitgliederversammlung der Volkskundlichen Kommission für Niedersachsen in Salzgitter teil.
Vom 13. bis 15. Oktober besuchte Dr. Böhme mit einer offiziellen Delegation der Stadt Göttingen die Feierlichkeiten anlässlich des 20. Todestags der französischen Chansonsängerin Barbara in Paris. Neben dem Besuch der großen Barbara-
Ausstellung stand abends ein Konzert mit dem bekannten Pianisten Alexandre Tharaud auf dem Programm, zu dessen Abschluss sechzehn prominente französischen Künstler vor über 2000 Zuhörern das Chanson „Göttingen“ sangen – für die deutschen Gäste ein sehr bewegender Moment! Kuratorin Simone Hübner M. A. nahm am 4. November an der Tagung „Die ‚langen‘ 1960er Jahre in Niedersachsen und Bremen“ des Arbeitskreises für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen in Hannover teil und stellte dort das Ausstellungsprojekt „Klappe auf! Ausstellung zur 1968er Bewegung in Göttingen“ vor. Am 29. November besuchte Kuratorin Simone Hübner M. A. die 1. Projektmesse „Weimarer Republik“ des Weimarer Republik e.V. in Weimar.

Öffentlichkeitsarbeit

Auf dem Museumsblog wurden 2017 insgesamt 49 Beiträge veröffentlicht. Vorgestellt wurden die unterschiedlichsten Themen aus der praktischen Museumsarbeit.

Provenienzforschung nach „arisiertem“ Kulturgut

Zum 1. Juli nahm am Museum das Provenienenzforschungsprojekt „Arisierung und Neukonzeption. Die Sammlungspolitik des Städtischen Museums 1935-1939“ seine Arbeit auf. Im Rahmen dieses vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) zunächst auf ein Jahr geförderten Projekts werden sämtliche Sammlungseingänge des Museums im genannten Zeitraum auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes („arisiertes“) Kulturgut überprüft. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, ob der damalige Museumleiter Otto Fahlbusch die sich durch die Verfolgung von Juden und anderen Opfergruppen bietenden Chancen gezielt genutzt hat, um den Sammlungsbestand seines Hauses planmäßig zu erweitern.

Pflege des Sammlungsbestandes
– Ritterplan, Außendepot und Stickstoffbehandlung

Die Umlagerung der Fayencen aus dem Hardenberger Hof in das Außendepot wurde vorbereitet. Während des gesamten Berichtszeitraums wurden im Außendepot die Maßnahmen zur Präventiven Konservierung und zur Schädlingsbekämpfung fortgesetzt. Dabei arbeitete das Museum mit dem Landesmuseum Hannover zusammen.
Dipl. Restauratorin Viola Bothmann überprüfte im Rahmen der Sammlungspflege die Objekte der Kirchenkunstausstellung auf eventuelle Schäden. Außerdem führte Frau Bothmann Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an zwölf Objekten durch. Am 7. November wurden erneut Objekte aus verschiedenen Teilsammlungen zur Stickstoffbehandlung ins Landesmuseum Hannover gebracht. Die Objekte wurden nach Abschluss der ca. sechs Wochen dauernden Behandlung im Außendepot gelagert.

– Restaurierung

Nach einjähriger Restaurierung in Polen kehrte am 17. Mai das in der Fabrik von Wilhelm Ritmüller im Hardenberger Hof gefertigte Tafelklavier an seinen alten Standort zurück. Die Kosten für die Restaurierung hat die Pearl River Piano Group, Eigentümerin des Markenahmens „Ritmüller“, übernommen.
Die seit vielen Jahrzehnten vor dem Eingang des Städtischen Museums befindlichen Skulpturen von zwei knienden Engeln haben früher an den Stadttoren die Passanten um Spenden für die Armen gebeten. Die Idee, mit solchen „Bittenden Engeln“ Spenden zu sammeln, hatte im Jahr 1854 der Hannoveraner Pastor Hermann Wilhelm Bödeker. Entworfen wurden die Skulpturen von dem Bildhauer Georg Hurtzig. Da die aus Gusseisen hergestellten Figuren im Laufe der Zeit stark gelitten haben, hat es sich die „Horst und Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung“ zum Ziel gesetzt, diese wichtigen Zeugnisse der Sozial- und Kunstgeschichte auf eigene Kosten zu restaurieren und für die Zukunft zu sichern. Am 7. Dezember wurden die beiden Engel aus dem Vorgarten des Museums in die Werkstatt der verantwortlichen Restauratorin Vera Fendel gebracht.
Die als Leihgaben an das Landesmuseum Braunschweig gegebenen vier Tafelbilder,die vermutlich aus der Nikolaikirche stammen, wurden auf Kosten des Landesmuseums restauriert.

– Inventarisierung und Dokumentation

Mit größtem Nachdruck wurde die Dokumentation und Inventarisierung des Sammlungsbestandes am Standort Ritterplan fortgesetzt. Wie schon in den Vorjahren, mussten dabei die sträflichen Versäumnisse der Vergangenheit aufgearbeitet werden.
Die Dienstbibliothek wurde auf Bücher überprüft, die wegen ihres historischen Werts als Sammlungsobjekte einzustufen sind. Die einschlägigen ca. 200 Objekte wurden der Bibliothek entnommen und in den Sammlungsbestand eingearbeitet. Ein neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter wurde in die Inventarisierung von Fotoalben eingearbeitet.

Sanierung und Umbau
Nach längerer, z. T. sehr kontrovers geführter Diskussion um den Standort des Museums beschloss der Rat der Stadt mehrheitlich gegen die Stimmen einer Fraktion, dass das Museum im Gebäudeensemble am Ritterplan verbleiben soll. Gleichzeitig wurde beschlossen, in einem Teil der Remise die Kulturverwaltung unterzubringen. Dieser Beschluss stieß auf Widerspruch des zuständigen Ministeriums in Hannover, das für den gesamten ebäudekomplex am Ritterplan eine Nutzung als Museum fordert. Im Berichtszeitraum konnte in diesem Punkt keine Einigung erzielt werden.

Einwerbung von Fördermitteln und Sponsoring

Im Berichtszeitraum konnten von Privatpersonen und Institutionen 57.646,- Euro als Fördermittel eingeworben werden.

Museumsberatung

Kuratorin Simone Hübner M. A. beriet den Heimatverein Nikolausberg e. V. hinsichtlich der Unterbringung und Lagerung der Sammlungsobjekte im dortigen Heimatmuseum.
Kuratorin Andrea Rechenberg beriet den Heimatverein Groß Schneen hinsichtlich der Unterbringung der Sammlungen des Vereins und dem Umgang mit Sammlungsobjekten.

Personal

Zum1. Juli wechselte Frau Dr. Saskia Johann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in das Projekt zur Provenienzforschung „Arisierung und Neukonzeption. Die Sammlungspolitik des Städtischen Museums Göttingen 1935-1939“. Ihre Nachfolge als wissenschaftliche Volontärin trat zum gleichen Zeitpunkt Frau Izabela Mihaljevic M. A. an. Frau Mihaljevic wurde in ihre Arbeitsbereiche eingewiesen und fortlaufend betreut. Ebenfalls zum 1. Juli wurde eine weitere halbe Projektstelle mit Frau Beate Herrmann M. A. besetzt.

Weiterhin wurden im Berichtsjahr von der Kustodie drei ehrenamtliche Mitarbeiter bei ihrer Arbeit betreut. Außerdem leisteten drei Studierende ihre Praktika im Museum ab.

Dr. Ernst Böhme