Mrz 20, 2020

Museum von innen nach außen

So wie sich jetzt alle zu Hause, im Garten oder auf dem Balkon – falls vorhanden – nach einem Heimprojekt umsehen, haben wir das auch gemacht. Weil das Museum geschlossen bleibt möchten wir das Beste aus dieser außergewöhnlichen Situation machen und digital unser Haus, die sich darin befindenden Objekte sowie unseren Garten zeigen.

Wir starten mit den Fenstern. Einige unserer Fenster sind für sich genommen schon Objekte, aber auch der Blick aus dem Fenster bringt einen Perspektivwechsel mit sich. Im Museum stehen schließlich für gewöhnlich die Objekte im Raum im Fokus der Betrachtung.

Das bauzeitliche Fenster von 1897 ist eines der beiden zweiflügligen Galgenfenster im Veranstaltungsraum im Erdgeschoss des Hardenberger Hofs. Die Fenster mit klappbarem Oberlichtflügel, sind insgesamt ohne Sprossenteilungen und raumseitig über Fischbänder, mit den für die Bauphase 1897 typischen Endungen, angeschlagen. Das Fenstergitter wurde wohl zeitgleich mit dem Gewände eingefügt. Dahinter, an der Ostfassade, eine blühende Zierkirsche.

 

Blick auf das Südwest-Rundbogenfenster mit sekundär verbauten mittelalterlichen Glasmalerei-Fragmenten aus der Stiftskirche Büchen/ Weser (um 1230/40) und aus der Zisterzienserkirche Amelungsborn, um 1330-50, im Raum des Chorpolygons im ersten Obergeschoss des Kapellenanbaus.

Die beiden oberen bräunlichen Fragmente stammen aus der Bückener Stiftskirche. Sie gehören zu einem Chorfenster mit Szenen aus dem Leben Christi. Die Malereien sind um 1250/60 entstanden. Die Fragmente zeigen Darstellungen Johannes des Täufers und zwei singende Ministranten. Die Malereien wurden bei Restaurierungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert entnommen. Wann und wie sie nach Göttingen gelangten, konnte bisher nicht ermittelt werden. Der heutige Bau der Bückener Stiftskirche entstand im 11. Jahrhundert und wurde in mehreren Bauphasen errichtet.

Die unteren Glasmalereien stammen ursprünglich aus der Klosterkirche in Amelungsborn. Es haben sich Darstellungen von sieben Köpfen, einem Arm und mehrere Kopffragmente erhalten. Diese waren in verschiedenen Chorfenstern mit Szenen aus dem Leben Christi eingesetzt. Die Fenster sind um 1360 gefertigt worden. 1894 wurden sie instandgesetzt, diese Fragmente ausgesondert und ersetzt. Auch hier ist unbekannt zu welcher Zeit und unter welchen Umständen sie nach Göttingen kamen.

 

Ein Blick auf das Museum von hinten. Aus einem Fenster im zweiten Obergeschoss des westseitigen Erweiterungsbaus vom Hardenberger Hof ist links im Bild ein Teil des Kapellenanbaus zusehen, an den die Remise anschließt. Im Hintergrund der Turm der St. Jacobi Kirche in der Göttinger Altstadt.

Über Adina Eckart

Adina Eckart ist wissenschaftliche Volontärin im Städtischen Museum Göttingen.