Apr 1, 2022

Kunst in Schubladen

Praktikant Lennart Korte berichtet aus seiner Arbeit im Grafikmagazin

Ich studiere in Göttingen Geschichte und Kulturanthropologie im Bachelor. Im Zuge meines Studiums absolvierte ich vom 28.02. – 25.03. ein Praktikum am Städtischen Museum Göttingen. Dabei wurde ich überwiegend für die Bearbeitung der Grafiksammlung eingesetzt.

Meine erste Aufgabe bestand in der Inventarisierung von Portraits des deutschen Dichters Gottfried August Bürgers (1747-1794). Dies erfolgte mithilfe der Museumssoftware FirstRumos 8.

Die Aufnahme von neuen Objekten in die digitale Datenbank ist in fünf Blöcke unterteilt: 1. Identifikation, 2. Grunddaten, 3. Maße, 4. Erhaltung, 5. Herkunft.

Gottfried August Bürger, Kupferstich, 18. Jhd.

Im ersten Schritt untersuchte ich die Grafiken auf Inventarnummern und Eingangsbuchnummern. Falls vorgefunden glich ich die Nummern mit den Eingangsbüchern ab, in denen relevante Angaben, wie z.B. die Provenienz, aufgeführt werden. Bei Portraits ohne Nummer wurde eine neue Inventarnummer im Eingangsbuch angelegt.

Nach der Registrierung der Grafik folgte die Aufnahme der Grunddaten. Hierzu zählt die Datierung, das Material, die Technik und die Beschreibung des Portraits.

Im 3. und 4. Schritt erfolgte die Vermessung des Blattes und die Untersuchung des Zustandes der Grafik.

Im letzten Schritt musste ich die Herkunft der Grafiken anhand der Angaben im Eingangsbuch ermitteln oder gegebenenfalls als uninventarisiert aufgefunden deklarieren. Damit war der Datensatz fertig.

Meine zweite Aufgabe bestand darin, die Grafiken in den Schubladen des Grafikmagazins (u. a. Schublade B, C und G) zu bearbeiten und die Portraitierten zu identifizieren.

Hierbei nutzte ich die Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek, um den Abgebildeten ihren gnd-link zuzuweisen und sie somit unmissverständlich zu identifizieren.

Diese Aufgabe wuchs und nahm einen größeren Umfang an. Neben den Portraitierten war ich nun auch zuständig dafür, die an der Produktion beteiligten zu identifizieren. Darunter fällt der entwerfende Künstler der Vorlage, der ausführende Künstler des Blatts, der Drucker/Verleger und in seltenen Fällen der leitende Meister. Die Schwierigkeit in dieser Aufgabe ist es mit sehr wenig Informationen die richtigen Personen zu identifizieren. Meist sind die Künstler nur mit Nachnamen angegeben und überlappen sich zeitlich mit anderen Künstlern desselben Namens.

Ich war auch dafür zuständig von diesen Portraits ein Inventarisierungsfoto zu machen, falls möglich sie zu datieren, die Eingangsbuchnummer und die Inventarnummer zu dokumentieren und ihre drei Maße zu nehmen: Plattenmaß, Bildmaß und Blattmaß.

Portrait von Jaques Callot, Kupferstich, um 1820

Die Recherche war zeitaufwändig, aber interessant und hat mir Spaß gemacht. Mein Praktikum hat mir viele neue Einblicke hinter die Kulissen der Museumsarbeit ermöglicht.

Über Lennart Korte

Lennart Korte war Praktikant am Städtischen Museum Göttingen