Feb 7, 2020

Filmskizzen aus der graphischen Sammlung

Göttingen gehörte in der Nachkriegszeit zu den bekanntesten Filmstädten. In der graphischen Sammlung befindet sich ein Nachlass-Karton des Filmarchitekten Walter Haag (1898-1978). Der Karton war ein Dachbodenfund im hiesigen Kino Lumière und ist dankenswertweise an das Städtische Museum übergeben worden.

1945 gründeten der Berliner Rolf Thiele und der Münchner Hans Abich die Filmaufbau-Gesellschaft Göttingen. Sie befand sich zunächst in der Wöhlerstraße, dann ab 1947 im Elliehäuser Weg, auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes. Die Filmaufbau-Gesellschaft Göttingen produzierte bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1961 über 100 Spielfilme.

Einer davon war der 1950 gedrehte Nachkriegsfilm „Es kommt ein Tag“. Darin waren namhafte Darsteller wie Dieter Borsche, Maria Schell, Lil Dagover und Gustav Knuth zu sehen. Gezeigt wird die Begegnung einer französischen Familie und einem deutschen Soldaten zur Zeit des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71. Zwischen Tochter Madeleine und dem Soldaten Friedrich Mombour entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die tragisch endet. Der Film beruht auf der 1941 erschienen Novelle „Korporal Mombour“ von Ernst Penzoldt. Regisseur Rudolf Jugert erhielt bei der Bambi-Verleihung 1951 den Preis in der Kategorie: Künstlerisch bester Film National.

Der in Berlin geborene Filmarchitekt Walter Haag verantwortete die Filmbauten. Er fertigte s/w-Skizzen für die Raumausstattung der unterschiedlichen Szenen an. Seine Gestaltung umfasste dabei eine vielfältige Bandbreite. So sind seine Entwürfe für die Anfangsszene, die in einem Lazarett spielt, auf Funktionalität ausgerichtet. Bei der Wandgestaltung hat er sich stark zurückgehalten und außer den Betten mit Beistelltischen für die Kriegsversehrten nur noch einen Tisch und wenige Stühle eingeplant.

„Es kommt ein Tag“, Skizze von Werner Haag, Graphit auf Pausenpapier, 1950

 

Ganz anders fällt seine Skizze für das Arbeitszimmer aus. Der Entwurf sieht mehrere Schränke, Regale für Bücher und mit Schubladen, einen Kamin und einen großen Schreibtisch vor.

„Es kommt ein Tag“, Skizze von Werner Haag, Graphit auf Pausenpapier, 1950

 

Beide Skizzen wurden im Film entsprechend den Zeichnungen realisiert.

Walter Haags Raumentwürfe weisen eine dynamische Strichführung auf, die nach längerer Betrachtung ihre besondere Atmosphäre wirkungsvoll entfaltet. Wie gut, dass es im Bestand noch Skizzen von anderen Filmen gibt.

Über Simone Hübner

Simone Hübner ist Kuratorin im Städtischen Museum Göttingen.