Nov 12, 2020

„Ein tolles Bild von einer Frau“

Wochenende der Grafik -aufgrund der aktuellen Situation digital-

Zum Wochenende der Grafik stellt das Städtische Museum Göttingen dieses Jahr eine Schenkung für die grafische Sammlung vor. E. Stalder, Bovenden, übergab an das Städtische Museum sechs grafische Arbeiten der Göttinger Künstlerin Elsa Hoppe (1902-1991). Die Werke ergänzen mit biographischen und stadtgeschichtlichen Motiven den bereits vorhandenen Sammlungsbestand zu Elsa Hoppe in sinnvoller Weise. Elsa Hoppe hat prägend auf das künstlerische Leben in Göttingen gewirkt. Sie selbst zeigte sich stark beeindruckt von den Werken von Emil Nolde (1867-1956), Lovis Corinth (1858-1925) und Edvard Munch (1864-1944), so dass sie dies merklich in ihre Arbeiten einfließen ließ.

Die Schenkerin hat einen engen persönlichen Bezug zu Elsa Hoppe. In vielen Erinnerungen an das künstlerische Selbstverständnis von Elsa Hoppe, an gemeinsame Teestunden im Atelier oder an Urlaubsreisen, hält sie das Bild der Künstlerin lebendig. Elsa Hoppe nutzte nahezu jede Gelegenheit, ihre Umgebung und Beobachtungen auf dem Papier schnell und gekonnt festzuhalten. „Tante Hoppe künstlert immer noch“, beschrieb während eines gemeinsamen Nordseeaufenthalts mit Familie Stalder einer der Söhne treffend den Habitus der Künstlerin und drückte damit zugleich die entstandene enge familiäre Verbundenheit aus.

Wir fanden diese Verbindung äußerst spannend und haben Frau Stalder interviewt.

  1. Was ist für Sie das Besondere an den Werken von Elsa Hoppe?

Also erstmal finde ich es sehr schön, dass sie gegenständlich malt, das kann man verstehen, mir sagt das einfach zu, von der Farbgebung und von den Themen ebenso, ihre Kinderbilder, ihre Tier- und Blumenbilder, ihre Landschaftsbilder. Diese bemerkenswerte Vielfalt die sie hat, die hat mich einfach sehr angesprochen. Und wenn man noch den Menschen dazu sieht und das zusammenbringt, dann ist das ein tolles Bild von einer Frau!

 

  1. Wie haben Sie Elsa Hoppe 1966 kennengelernt?

Durch meinen Mann, damals noch mein Verlobter, der bei ihr zur Untermiete wohnte. Das war in dem alten Fachwerkhaus Walkemühlenweg 7, in dem Frau Hoppe mit ihrer Mutter wohnte.

Dort vermietete sie einige Zimmer, vorwiegend an Studenten, aber auch an Schauspieler des Deutschen Theaters, die sich gleichsam durch die Künstlerin als auch durch das Flair des Hauses angezogen fühlten.

Elsa Hoppe hat mich von Anfang miteinbezogen. Und dann später, als unsere Kinder da waren, diese ebenso. Das war wirklich richtig eine schöne, erfüllende Freundschaft.

 

  1. Ist Ihnen bekannt, wo Elsa Hoppe ihre Motive fand?

Sie ist gereist, allein, aber auch mit Freunden, mit denen sie dann vor Ort gemalt hat. Sie war in Ostfriesland, in den Alpen, aber auch in Portugal. Aber sie hat eben auch im heimischen Bereich gemalt, sie hat Göttinger Bilder, Straßenzüge gemalt, sie hat die Diemarder Warte gemalt.

Wenn in Göttingen ein Zirkus seine Zelte aufschlug, ging Elsa Hoppe hin, um Tiere zu zeichnen. Es reizte sie, bei Tieren den Besonderheiten ihrer Art mit dem Zeichenstift nachzuspüren.

Elsa Hoppe hatte Kinder besonders gern. Sie selber hatte keinen Nachwuchs, betrachtete aber Kinder von Freunden und Bekannten als ihre „Enkel“. So waren Kinder für Elsa Hoppe eines ihrer Hauptmotive. Sie hielt die Ausgelassenheit der Kinder, beim Spiel oder in anderen Situationen, mit ihrer flinken Linienführung fest, wie eine Art von Momentaufnahme.

 

  1. Wie haben Sie die künstlerische Entwicklung von Elsa Hoppe empfunden?

Die Ölmalerei hat sie sehr schnell aufgegeben. Bei Aquarell konnte sie was verändern, sie war flink. Aquarell ist ihrem impulsiven Wesen entgegengekommen, bei Aquarell muss man schnell sein. Und das ist auch der Grund, warum sie viele Bilder gar nicht signiert hat, die waren dann eben fertig. Das bedeutet aber nicht etwa Fließbandarbeit, im Gegenteil. Sie hat großen Wert auf das fachliche Urteil ihrer Kollegen und Kolleginnen gelegt und dazu aufgefordert.

Ihre lebhafte Art drückt sich eben auch in den Bildern aus. Wenn man zum Beispiel die Bewegungen bei den Kindern oder den Tieren sieht, das hat was!

Und ich kann manchmal erkennen, wenn ich ein Bild von ihr sehe, aus welcher Zeit das gemalt ist. Ihre letzten Bilder sind anders als ihre Bilder die sie in den 50er Jahren zum Beispiel gemalt hat.

 

  1. Hatte Elsa Hoppe Kontakt zu anderen Göttinger Künstlerinnen/Künstlern und inwieweit hat sie das kulturelle Leben in Göttingen geprägt?

In der Nachkriegszeit hat sie Zeichenunterricht gegeben, an der ehemaligen Mädchenschule, dem heutigen Hainberg-Gymnasium. Und sie hat auch anatomisches Zeichnen an der Reichenbachschule für Technische Assistenten unterrichtet.

Sie hat sehr engen Kontakt zu Kollegen gepflegt, zum Beispiel zu Kurt Mannig und zu Irmgard Suckstorff. Frau Suckstorff und Elsa Hoppe haben sich jeden Donnerstag getroffen. Sie hatte einen riesigen Freundes- und Kollegenkreis, den sie auch gepflegt hat, und sie war Mitbegründerin des BBK, des Bund Bildender Künstler in Göttingen.

 

  1. Welches ist Ihr persönliches Lieblingsmotiv?

Vor allem ihre Kinderbilder, ihre Landschaften, ihre Tierdarstellungen, aber auch ihre Blumenbilder, da kann ich mich gar nicht richtig entscheiden. Vielleicht aus jeder Motivgruppe eines, aber auch das ist schwierig.

 

  1. Warum ist es Ihnen wichtig, dass Elsa Hoppe nicht in Vergessenheit gerät?

Elsa Hoppe ist einfach eine Göttinger Persönlichkeit. Durch ihre Kunst hat sie sehr viele Menschen auch beglückt, und viele Bilder sind in Göttingen geblieben. Ihre Bilder wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen oft gezeigt. Die Stadt hat eine Straße nach ihr benannt, den Elsa-Hoppe-Weg auf den Zietenterrassen. Es sind etliche Gründe, weswegen sie wirklich nicht vergessen werden soll!

 

 

 

Über Simone Hübner

Simone Hübner ist Kuratorin im Städtischen Museum Göttingen.