Okt 4, 2022

Ein Geschenk an die Welt…

Daguerreotypen von Philipp Petri

Ein Geschenk an die Welt, dass auch in Göttingen vom Künstler Philipp Petri (1800-1868) eingesetzt wurde, war im August 1839 das Unikatsverfahren des Franzosen Louis Jacques Mandé Daguerre (1787-1851). Mit dem Verfahren konnten sog. Daguerreotypien hergestellt werden, von denen es auch einige Exemplare in unserer grafischen Sammlung gibt (vgl. Blogbeitrag von Ernst Böhme, 14.08.2015, Saskia Johann 20.05.2016 und http://www.daguerreobase.org).

Zeitgleich zu Daguerre experimentierten der Brite William Henry Fox Talbot (1800-1877) und der Franzose Hippolythe Bayard (1801-1887) mit unterschiedlichen chemischen Substanzen, um Bilder dauerhaft zu erzeugen. Durch sein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick hatte Daguerre jedoch bei der Veröffentlichung „die Nase vorn“.

Die Entstehung des Verfahrens ging auf die Erfindungen und Erkenntnisse des Franzosen Joseph Nicéphore Niépce (1765-1833) zurück. Dieser entwickelte ein aufwändiges Verfahren zur Sichtbarmachung von Bildern und wurde 1829 Daguerres Geschäftspartner. Der Veröffentlichung des von beiden entwickelten Verfahrens waren entscheidende Begegnungen und Ereignisse vorausgegangen. Anfang 1839 hatte Daguerre Dominique François Arago (1786-1853), Physiker und Ständiger Sekretär der französischen Akademie der Wissenschaften, getroffen und ihn von der Bedeutung des Verfahrens überzeugt. Arago stellte am 19. August 1839 das Verfahren erfolgreich in der Akademie vor. Auf seine Empfehlung hin erwarb die französische Regierung anschließend die Rechte an Daguerres Verfahren. Als Novum stellte sie das Verfahren anschließend zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung, wodurch eine weltweite Vermarktung des Verfahrens möglich war.

Philipp Petri, 1840-45

Philipp Petri war Miniatur- und Porzellanmaler, stark interessierte er sich auch für technische Entwicklungen. Er „war der erste, der sich in Göttingen der Erfindung Daguerres zuwandte.“ (Hainbund, Wochenbeilage zum Göttinger Tageblatt, o. J.). Petri hat unsere Daguerreotypien gefertigt. Als Zubehör wurden verschiedene Utensilien benötigt, um das Verfahren anzuwenden. Eine mit Jod bestrichene Silberplatten wurde in eine Camera Obscura eingesetzt, die Platte anschließend 60 Grad Quecksilberdampf ausgesetzt, wodurch das Bild nach sechs bis zwölf Minuten sichtbar wurde. Dann wurde die Platte in schwefelsaures Natron gelegt und abschließend mit destilliertem Wasser abgewaschen.

 

Im Vergleich mit unseren heutigen digitalen Möglichkeiten war die Herstellungsweise von Daguerreotypien sehr aufwändig. Zu ihrer Entstehungszeit jedoch beeindruckten die auf Silberplatten fixierten Bilder durch ihre Detailgenauigkeit und Schärfe. Vielfach wurden, trotz des bewegungslosen Sitzens aufgrund langer Belichtungszeiten, Portraitaufnahmen gefertigt. So auch von Petri, der Einzel- und Gruppenaufnahmen, u. a. von seiner Familie, gemacht hat.

Zubehör für die Herstellung von Daguerreotypen (Foto: SSPL/GETTY IMAGES)

So sind unsere Daguerreotypien äußerst wichtige Sachzeugen für einen Meilenstein in der Entstehungsgeschichte von fixierten Bildern. Daguerres Verfahren gilt als das Erste, das kommerziell genutzt werden konnte. Bis um 1860 war es en vogue, dann entstanden verbesserte und neuere Verfahren, die auch bewegte Bilder ermöglichten.

Wilhelmine Petri, mit Kindern, 1840-1845

 

 

 

 

 

 

 

Über Simone Hübner

Simone Hübner ist Kuratorin im Städtischen Museum Göttingen.