Nov 11, 2022

Die Französische Revolution und Göttingen

Gastbeitrag vom Samr Salman

Koryphäen verschiedener Revol. Epochen, H: 16cm, B: 17,5cm

In der Grafiksammlung des Städtischen Museums befinden sich viele Portraits historischer Persönlichkeiten. Sie laden dazu ein, sich Gedanken über sie die Personen und ihr Vermächtnis zu machen. So auch das Blatt einiger Koryphäen verschiedener Revol. Epochen, auf der Persönlichkeiten, die während der Französischen Revolution eine größere Rolle spielten, zu sehen sind.

Die Französische Revolution war ein Jahrhundertereignis, das nicht nur Auswirkungen auf Paris oder Frankreich selbst, sondern auch auf den Rest Europas hatte. So auch auf Göttingen.

„Drei französische Conventsmitglieder von sehr heterogener Art“, H: 16cm, B: 9,9cm)

Die Umrissradierung, die etwa aus dem Jahr 1850 stammt, zeigt Protagonisten der Französischen Revolution von Jérôme Petion de Villeneuve (1756-1794, Anwalt) über Jacques-Pierre Brissot de Warville, genannt Brissot (1754-1793, Journalist) bis Maximilien de Robespierre (1758-1794, Rechtsanwalt). Sie stehen für die für verschiedenen Phasen der Revolution. Der Anlass für die Herstellung dieses Blattes ist nicht bekannt, möglicherweise war es die fünfzigjährige Wiederkehr der revolutionären Ereignisse.

Der Einflussreichste der hier Dargestellten war zweifellos Robespierre. Sein Name ist mit der Jakobinerherrschaft und der Zeit des Schreckens verbunden.

Die Französische Revolution beginnt spätestens mit dem Sturm auf die Bastille im Sommer 1789 endgültig. Dieses Ereignis sollte eine Zeitenwende auslösen, weg vom fürstlichen Absolutismus hin zur bürgerlichen Gesellschaft mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Ein weniger bekanntes, aber mitnichten unwichtiges Kapitel der französischen Revolution war die Zeit des Schreckens. Sollte die Revolution zu Beginn eigentlich die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie zur Folge haben, kam es schließlich zu einer endgültigen Abkehr von der Monarchie. 1792 wurde der König von der Nationalversammlung für abgesetzt erklärt; die Angst im Volk vor einer Konterrevolution durch Anhänger des Königs war dennoch groß. Preußen und Österreich verfolgten das Ziel, die Monarchie in Frankreich wiederherzustellen. Daher war die Stimmung in Paris aufgeheizt. Zu sehr fürchtete man, Gewonnenes wieder zu verlieren. Die Folge war, dass Maximilien Robespierre 1792 zum Mitglied des neuen Nationalkonvents gewählt wurde. Dies nutzte er, um die Hinrichtung des Königs durchzusetzen. Dies war der Startschuss für die Terrorherrschaft Robespierres und seiner Jakobiner.

Insgesamt sollten der Schreckensherrschaft bis zu 40.000 Menschen zum Opfer gefallen sein. Zum Verhängnis wurde Robespierre, dass er trotz militärischer Erfolge der französischen Armee und Entspannung der Lage nicht vom Terror abließ. Robespierre wurde gestürzt und am 28. Juli 1794 durch das Instrument, das er am meisten nutzte, die Guillotine, hingerichtet. Die Zeit des Großen Schreckens war vorbei.

Auch in Göttingen wurden die Geschehnisse in Paris verfolgt und kommentiert. Die meisten Göttinger Gelehrten begrüßten die Revolution. Die Zeit des Terrors lehnten sie jedoch ab, so z.B. Ernst Brandes (1758-1810), auswärtiges Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften, der mit Beginn der Jakobinerherrschaft die Revolution sogar vollends verurteilte. Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) sah dazu keinen Grund. Für ihn war der Sturz des Adels und der Obrigkeit notwendig, wenn man wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt erzielen will. Auch der Göttinger Professor August Ludwig von Schlözer (1735-1809) kommentierte die Geschehnisse, die sich in Frankreich abspielten, in seinen Staatsanzeigen. So begrüßte auch er die Revolution zunächst und sah sie als „Erhebung eines unterdrückten Volkes gegen seine tyrannische Herrschaft“. Er betonte aber zugleich, dass Deutschland und v.a. Kurhannover gegen einen solchen revolutionären Umschwung immun seien. So gebe es hier nämlich keinen Anlass für eine gewaltsame Umwälzung des Systems.

Es war nicht ohne Risiko, Stellungnahmen zur Revolution in Frankreich zu veröffentlichen. Die jakobinische Diktatur stellte nämlich „alle gutgemeinten politisch-pädagogischen Absichten in Frage“. Die Regierung in Hannover reagierte in Folge schärfer auf revolutionären Aktivismus. Dazu zählte man revolutionäre Parolen, freimütige Meinungsäußerungen und offene Sympathiebekundungen für das französische Volk. Bald wurde auch damit begonnen, Zensurmaßnahmen gegen „politisch anstößige Zeitschriften und Traktate“ zu verhängen, nachdem Professoren in Verdacht gerieten, demokratische Grundsätze zu lehren. Es folgte daraus ein Verbot der Schlözerschen Staatsanzeigen 1793 und ein Verbot der studentischen Ordensverbindungen sowie der Freimaurerei 1794. In Folge der Französischen Revolution wurden also auch die Freiheiten der Menschen in Göttingen begrenzt. Zensur und politische Repression sollten ein eventuelles Aufkeimen revolutionärer Gedanken nach französischem Vorbild verhindern.

Über Samr Salman

Samr Salman absolvierte 2022 ein Praktikum am Städtischen Museum Göttingen.