Dez 6, 2019

Die Firma
Grotefend
„Coca-Cola“ und der Nikolausberger Klostergeist

Die Firma Carl Grotefend wurde 1865 in Reinhausen bei Göttingen, als Familienunternehmen, von Carl Grotefend gegründet und begann mit der Fabrikation von Essig.

1870 erwarb die Firma ein Grundstück in Göttingen. Gustav Grotefend, der Sohn Carls, übernahm das Geschäft in den 1890er Jahren und schuf einen Musterbetrieb. Ab 1901 wurde die Produktion mit alkoholfreien Erfrischungsgetränken erweitert (Apfeltrank, Sekt-Bronte). Ab 1921 waren Spirituosen im Angebot, und Großkunden wurden beliefert. Ab 1924 kam die Senfproduktion hinzu. Im Jahr 1937 schloss die Firma mit der Coca-Cola GmbH., Essen, den ersten Großhandelsvertrag für „Coca-Cola“ ab. Der Kriegsbeginn stoppte die Entwicklung, Belegschaftsmitglieder wurden eingezogen, Lastwagen an die Wehrmacht abgegeben; es wurde ausschließlich für die Wehrmacht produziert. Ab 1940 bis zum Kriegsende arbeiteten Zwangsarbeiter für die Firma, wahrscheinlich durchgängig Franzosen. Hergestellt wurde dort nach deren Aussage Essig, Limonade und Spiritus. Außerdem wurde Sauerkohl und Gemüse vorbereitet, das an die Front geschickt wurde.

In den 1950er Jahren schuf Eduard Grosch für Grotefend einen feinen Abteilikör namens „Nikolausberger Klostergeist“. Aus Marketinggründen sollte der Name wohl eine Verbindung zum mittelalterlichen Kloster in Nikolausberg und damit eine besonders hohe Qualität suggerieren. Sein Enkel überreichte dem Städtischen Museum eine Flasche, die er von seinem Großvater erhalten hatte, als Geschenk für die Sammlung.

Am 04. Dezember 1959 wurde die 116. Abfüllfabrik für Coca-Cola unter der Firma Grotefend an der Ecke Weender Landstraße Berliner Straße, gegenüber dem Alten Auditorium in Göttingen, eingeweiht. Im Jahr 1949 war „Coca-Cola“ wiedereingeführt worden. Die Produktion blieb bis Ende der 1980er Jahre in dem Gebäude an Weender Landstraße und Berliner Straße. 1989 erfolgte der Umzug in die Dransfelder Straße im Ortsteil Groß Ellershausen. Nach dem Göttinger Adressbuch existierte der Getränkevertrieb C. Grotefend 1992 noch dort. Erst ab 1993 ist der Getränkehandel Grotefend nicht mehr in den Adressbüchern nachweisbar. Vermutlich fand Anfang der 1990er Jahre eine Übernahme der Firma statt. Heute ist in dem Gebäude an der Ecke Weender Landstraße/ Berliner Straße eine moderne Restaurantkette untergebracht, die italienische Küche anbietet.

Über Adina Eckart

Adina Eckart ist wissenschaftliche Volontärin im Städtischen Museum Göttingen.