Jun 2, 2022

Der Heilige Jacobus aus Eboldshausen

Restaurierungsbericht

Die Restaurierung des Heiligen Jacobus, ermöglicht durch die Restaurierungspatenschaft von Dr. Anke Manuwald, ist jetzt abgeschlossen. Welche Maßnahmen unternommen wurden, um die Zustand der Skulptur zu sichern und zu verbessern, hat die Dipl. Restauratorin Viola Bothmann in einem ausführlichen Restaurierungsbericht dargelegt:

Links der Zustand vor der Restaurierung, recht der Zustand danach

 

Zustand vor der Restaurierung

Bei der Figur des Heiligen Jacobus von Bartold Kastrop (ca. 1460 – 1531) handelt es sich um eine geschnitzte, voll rund gearbeitete Skulptur. Er trägt einen Pilgerhut, eine lange grün gefasste Tunika und darüber einen Mantel. Der Mantel ist innen gelb gefasst und außen rot. Auf dem Rücken trägt der Apostel einen Pilgerrucksack. In der linken, nicht mehr erhaltenen Hand, hält er ein durch Anobienfraß zerstörtes Buch. Die rechte Hand fehlt vollständig.

Die gesamte Skulptur ist durch einen früheren Befall holzzerstörender Insekten stark beschädigt. Zahlreiche Ausfluglöcher, verteilt über die gesamte Figur, sind zu verzeichnen. Ein aktueller Befall liegt jedoch nicht vor. Auch Kopf und Hut weisen an der rechten Seite große Fehlstellen aufgrund von Anobienbefall auf. Die linke Seite und der Pilgerbeutel sind stark beschädigt. An der aufgeschlagenen Krempe des Pilgerhuts fehlt sehr wahrscheinlich die Jacobusmuschel. Rückseitig befindet sich ein über die gesamte Höhe der Figur verlaufender Riss im Holz.

1955 wurde die Skulptur im Landesmuseum Hannover von dem Restaurator Kurt Mannig aus Göttingen restauriert. Dabei wurde sehr wahrscheinlich der lange Riss in der Figur mit einem harten Wachs- Harz-Gemisch geschlossen und anschließend mit einem Leinwandstreifen kaschiert. Den Unterlagen nach wurden die durch Anobienbefall geschwächten Holzpartien durch Tränkung der gesamten Figur mit Zellodyll gefestigt. Ein dicker, hellgelber Überzug aus Dammarharz und Wachs wurde auf die gesamte Skulptur aufgetragen. Der Überzug liegt an manchen Stellen sehr dick auf und beeinträchtigt dadurch die Feuchtediffusion der Holzskulptur, so dass es in der Vergangenheit zu Abplatzungen bis auf die Grundierung gekommen ist. Inzwischen ist bekannt, dass Wachsüberzüge im Laufe der Zeit Pigment-Bindemittelsysteme erweichen können. Die gesamte Oberfläche ist zudem durch Staubablagerungen an die leicht klebrige Wachsoberfläche grau geworden.

Die Fassung der Gewänder ist stark beschädigt. Zusätzlich finden sich auf den gefassten Bereichen Reste einer weiß-grauen Malschicht. Vermutlich handelt es sich um die Reste einer vergangenen Übermalung.

Aufgrund der zahlreichen grundierungsichtigen Fehlstellen und den alten Übermalungsresten innerhalb der Fassungsbereiche ist die qualitätvolle, schnitzerische Form der Skulptur nicht mehr ablesbar. Ziel der Restaurierung war es, dem Erscheinungsbild der Skulptur eine erneute Geschlossenheit zu verleihen.

 

Restaurierungsmaßnahmen

Der alte Harz-Wachs-Überzug wurde mit einer Mischung aus Ethanol und Isooktan im Verhältnis 1:1 gedünnt. Lockerungen und Abhebungen in der Fassung wurden mit Hausenblasenleim gefestigt. Bereiche, die aufgrund der Durchtränkung mit dem Wachs-Harz-Gemisch nicht mit einem Glutinleim gefestigt werden konnten, wurden mit einem Polyvinylacetatleim behandelt.

Dünnung des Wachs-Harz-Überzugs

Figurenbereiche mit geschwächter Holzsubstanz konnten mit einer Lösung aus 7 % Hautleim stabilisiert werden. Dabei wurde das Festigungsmittel in die Ausfluglöcher und die zerfressenen Holzbereiche injiziert. Im Anschluss wurden kleinere Ausbruchstellen im Holz mit einem Kreide-Leim Kitt verschlossen und nivelliert.

Hautleim wird als Festigungsmittel in die Ausfluglöcher und die zerfressenen Holzbereiche injiziert

Um dem Gewand ein geschlossenes Erscheinungsbild zu verleihen, wurden die grundierungssichtigen Fehlstellen und Reste der früheren Übermalung retuschiert. Dieses erfolgte mit Aquarellfarben und anschließenden Harz-Öl-Lasuren. Im Bereich der Augenbrauen und des Inkarnates wurden die Fehlstellen behutsam geschlossen.

Der rückseitige Leinwandstreifen zur Kaschierung des Risses wurde im Holzton ein lasiert.

Grundierungssichtigen Fehlstellen und Reste der früheren Übermalung werden mit Aquarellfarben retuschiert

Der fertige Jacobus konnte wieder an seinem ursprünglichen Standort aufgestellt werden. Dabei haben wir ihn dieses Mal jedoch weiter von der Wand abgerückt, so dass auch seine Rückseite mit Pilgerbeutel bewundert werden kann.

Jacobus im Barold-Kastrop-Raum

Bei den Aufstellarbeiten mussten wir allerdings feststellen, dass in diesem Ausstellungsraum, der dem Göttinger Bildhauer Bartold Kastrop gewidmet ist, der Fußboden leicht in Schwingungen gerät. Das wollen wir reparieren, damit die ausgestellten Skulpturen dadurch nicht beschädigt werden. Daher wurden alle Objekte aus dieser Abteilung kurzfristig magaziniert. Der Boden wird nun repariert.

Vorher-Nachher-Vergleich:

   

Wir bedanken uns bei Dr. Anke Manuwald, deren Patenschaft die Restaurierung ermöglicht hat, und bei Dipl. Restauratorin Viola Bothmann für die fachgerechte und sehr gelungene Ausführung.

Über Iris Olszok

Iris Olszok ist wissenschaftliche Volontärin im Städtischen Museum Göttingen.