Dez 25, 2020

Das Museum in 2020 und Ausblick auf 2021

Letztes Jahr um diese Zeit...In diesem schwierigen Jahr 2020….Für das nächste Jahr…

Letztes Jahr um diese Zeit…

…standen wir in der Hochphase der Vorbereitung der Sonderausstellung Göttingen_Händel_1920. Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm wurde auf die Beine gestellt – unter anderem mit einem richtig schönen Angebot für Kinder.

Dem Museum erging es in der Pandemie ab März 2020 dann wie so vielen Kulturstätten:

Kaum eröffnet, wurde die Sonderausstellung (und natürlich auch die Dauerausstellung) zum 13. März während des ersten Lockdowns geschlossen. Ab dem 26. Mai waren die Museumstüren zwar wieder offen, aber das Begleitprogramm musste wegen der geforderten wichtigen und richtigen Abstandsregelungen ausfallen.

Die Sonderausstellung wurde verlängert und ist nun im zweiten Lockdown ab dem 2.November, so wie das ganze Haus, erneut geschlossen.

 

In diesem schwierigen Jahr 2020….

 

…haben wir trotz der vielen Unwägbarkeiten und Veränderungen auch einiges Neues ausprobiert. Die erste Digitalausstellung des Städtischen Museums entstand:   Händel_ Göttingen_ 1920_ digital. Sie findet viel Zuspruch und wurde bis heute 8500 mal besucht.

Mit unserem Händelthema waren wir auch wir bei den digitalen Händelfestspielen in Göttingen vertreten und haben am digitalen Händel Day live am 6. Juni in Halle teilgenommen.

Zur Sommeröffnung stellten wir sämtliche Hörangebote im Museum – immerhin insgesamt 15 Hörstationen –  von Ohrhörern, aus Hygienegründen, auf Abruf über QR-Code um.

Wir sind mit Nachdruck neue Kommunikationswege gegangen. 2020 veröffentlichte das Museum 32 Blog-Beiträge und 73 Instagram Posts mit Fotos und zum Teil mit eigens produzierten Videos. So blieben und bleiben wir in Kontakt mit den Menschen in Göttingen, der Region und darüber hinaus, die Interesse am Städtischen Museum haben. Es ermöglicht uns, unser Haus und unsere Themen, unsere Sammlungen und Objekte, Archive und Depots zu öffnen und Interessierte an der Museumsarbeit teilhaben zulassen, auch wenn die Türen für Besuche geschlossen sind.

Wir selber haben uns bei digitalen Fortbildungen und Tagungen mit Kollegen ausgetauscht und weitergebildet.

Weender Str. mit Blick auf den „Nabel“, 14.03.2020, erster Tag Lockdown

Den sich um uns herum verändernden Alltag in diesem Jahr haben wir registriert und dokumentiert. Im Museum entsteht eine Fotodokumentation der Coronazeit in Göttingen. Sicherlich können wir nicht alles festhalten, aber doch so viel, von den sichtbaren Veränderungen unseres Alltags mit dieser Pandemie und den damit einhergehenden Einschnitten einfangen, dass dies auch für spätere Generationen nachvollziehbar bleibt.

Weiter haben wir mit alten und neuen Kooperationspartnern zusammengearbeitet und natürlich auch die für Besucher zunächst „unsichtbare“ Museumsarbeit fortgeführt. Unsere Objekte wurden weiter inventarisiert und im Depot geordnet, die Dachböden gesichtet und notwendige Anschaffungen für die Werkstatt konnten getätigt werden. Das ist für uns besonders wichtig, denn das Museum produziert seine Ausstellungen selber.

 

Gruppe 1 bei der internen Verabschiedung von Herrn Böhme, zu der Zeit war noch keine Maskenpflicht und 10 Personen durften zusammenkommen, wenn ein Abstand von 1,50 m eingehalten werden konnte…

Auffallend war für uns auch die Tatsache, dass wir in diesem Sommer überdurchschnittlich viele Anfragen um Auskünfte, oder Begutachtungen erhielten. Vielleicht ein Ergebnis davon, dass viele Menschen mehr Zeit zu Hause verbracht, aufgeräumt und sich mit Ihrem Bestand beschäftigt haben. Auf jeden Fall ein Zeichen dafür, dass das Städtische Museum als Referenzort für die Begutachtung historische Dinge gesehen und genutzt wird.

Wirklich besonders bedauerlich war für uns dieses Jahr der Umstand, dass eine gebührende Verabschiedung des langjährigen Leiters des Städtischen Museums, Dr. Ernst Böhme, ausfiel. Ein geplantes Kolloquium im März musste abgesagt werden. Das hatten wir uns anders gewünscht und vorgestellt. Über das Wirken von Ernst Böhme für dieses Haus ist viel zu sagen. Zusammenfassend und auf den Punkt gebracht: Unter seiner Leitung hat das Städtische Museum einen enormen Professionalisierungsschub erfahren, auf den wir heute aufbauen können.

 

Für das nächste Jahr…

… richten wir den Blick nach vorne in der Hoffnung, dass im Jahr 2021 zumindest in Ansätzen wieder so etwas wie Normalität einsetzt. Für uns bedeutet es: Museen sind wieder geöffnet und zeigen Objekte und ihre Geschichte.

 

 

 

 

 

Detailfoto, Tora-Wimpel des Akiba, Sohn des Awraham Mordechai, 1708, Invt.-Nr. 2011/252, Stickerei Seide auf Leinen

Eine neue Sonderausstellung ist in Planung:

 

Gestickte Pracht – Gemalte Welt

Die Tora-Wimpel-Sammlung im Städtischen Museum Göttingen.

Eröffnung am 18.07.2021

 

Bereits seit dem Sommer planen, entwerfen, verwerfen und diskutieren wir mit viel Vorfreude. Die auszustellenden Textilien sind etwas ganz Besonderes.

Sie sind in den letzten dreihundert Jahren genäht, bestickt oder bemalt worden und eine konservatorische schonende Präsentation ist für uns Verpflichtung und Herausforderung. Besonders ist auch die Geschichte dieser beeindruckenden Objekte, die wir anschaulich aufbereiten möchten.

Die Arbeit mit Objekten ist und bleibt die Kernkompetenz von Museen, sie zu schützen, zu erforschen, ihre Geschichte sichtbar zu machen und zu präsentieren ist unsere tägliche Herausforderung und unser Anliegen.

 

Wir wünschen frohe Feiertage und ein glückliches neues Jahr. Wenn das Museum wieder geöffnet ist und Sie mögen, sehen wir uns 2021.

 

Wir freuen uns auf Sie!

Über Andrea Rechenberg

Andrea Rechenberg ist Leiterin des Städtischen Museums Göttingen.