Aug 21, 2020

Amor & Psyche

Depotentdeckungen im Magazin für Keramikobjekte

Amor, Modelleur: Karl Heinrich Schwarzkopf; um 1805/10

Amor und Psyche sind in der Welt der römischen Mythologie beheimatet. Amor, der oft auch Cupido genannt wird, ist aus einer Verbindung der Göttin der Liebe und der Schönheit, Venus, mit dem Kriegsgott Mars entsprungen. In der Kunst ist Amor zumeist als nackte knabenhafte Gestalt mit Flügeln dargestellt, der etwas Schelmisches anhaftet. Psyche, eine sterbliche Königstochter ist von solch überirdischer Schönheit, dass auch der Gott Amor ihr nicht widerstehen kann und sich in das Mädchen verliebt. Die Liebe von Amor und Psyche muss sich gegen Neid und Intrigen behaupten, doch am Ende sind sie glücklich vereint und Psyche wird in den Kreis der unsterblichen Götter aufgenommen.

 

Psyche, Modelleur: Karl Heinrich Schwarzkopf, um 1805/10

Gemeinsam mit einigen Objekten aus Porzellan, dem weißen Gold, ist das Statuetten Paar Amor und Psyche der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, die auf um 1805 bis 1810 datieren, im Magazin für keramische Objekte des Städtischen Museums zu finden. 1901 wurde das Paar zusammen von Carl Gläse angekauft. Beschrieben wurden sie als „Nymphe, aus dem Bad steigend. Modelleur: Karl Heinrich Schwarzkopf, um 1805/10. Nach dem Vorbild der „Baigneuse“ von Étienne-Maurice Falconet (1716-1791) von 1757″ und als „Drohender Amor, Modelleur: Karl Heinrich Schwarzkopf; um 1805/10, nach dem Vorbild von Étienne-Maurice Falconet (1716-1791) von 1757“.

 

Auch wenn die weißen Porzellanfiguren einzeln sehr ästhetisch sind und aus der gleichen Porzellanmanufaktur stammen, ist es sehr schwer sie gemeinsam zu fotografieren und die Stimmung und die Empfindungen der Figuren aus der mythologischen Erzählung fotografisch festzuhalten und auszudrücken. Die Erzählung um das Paar ist in den Metamorphosen des Apuleius aus dem 2. Jahrhundert enthalten und ein beliebtes Thema in der Belletristik und in der Kunst. Unzählige Darstellungen zeigen die innige Liebe des Paares, doch unsere Figuren wollen zumindest auf einem gemeinsamen Foto nicht recht zusammenfinden.

 

Ständer für Hutnadeln mit goldfarben gefassten Klauenfüßen aus dem 18. Jahrhundert

Briefbeschwerer, Porzellan, Frauenhand, die einen Blumenstrauß hält, um 1820

Keramische Objekte bestehen aus gebranntem Ton, feinkörnige mineralische Gemische, die sich aus unterschiedlichen Anteilen zum Beispiel Quarz oder Kalkspat, meist mit Sanden vermischt, zusammensetzen. Keramik lässt sich in hoch und niedrig gebrannte Objekte unterscheiden. Steingut, Terrakotta, Fayence und Porzellan sind verschiedene Keramiksorten, die sich aus der Zusammensetzung des Ausgangsmaterials, der Brenntemperatur und der Oberflächenbehandlung (Glasur, Bemalung, Vergoldung und so weiter) ergeben. Zur Konservierung von Keramik ist die Luftfeuchtigkeit möglichst stabil zu halten, ebenso die Raumtemperatur.

Briefbeschwerer, bunt bemalt, modelliertes Blumenbukett, Porzellan, um 1820

Neben Geschirr und Statuetten sind auch Objekte darunter, die ihren Zweck nicht auf den ersten Blick offenbaren. Wie zum Beispiel ein Ständer für Hutnadeln mit goldfarben gefassten Klauenfüßen aus dem 18. Jahrhundert, der im Eingangsbuch fälschlicherweise als Ständer für Zahnstocher beschrieben wurde. Oder Briefbeschwerer, ein bunt bemaltes modelliertes Blumenbukett aus Porzellan mit Goldrand und eine Frauenhand, die einen Blumenstrauß hält, beide um 1820, die für Tafeldekor gehalten wurden. Briefbeschwerer sollten durchaus dekorativ sein, vor allem jedoch verhindern, dass das Papier auf dem Schreibtisch durch einen Windstoß davon flog.

Über Adina Eckart

Adina Eckart ist wissenschaftliche Volontärin im Städtischen Museum Göttingen.